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Dienstag, 13. Januar 2015

Eine Ideologie ohne Idee gibt es nicht

Im Zusammenhang mit dem Anschlag auf Charlie Hebdo taucht häufiger die Behauptung auf, dass die Terroristen eine Religion gekapert hätten, um ihre terroristischen Akte zu vollführen. Damit vermeidet man jedoch die Möglichkeit, sich dem Problem solcher Terrorakte lösungsorientiert zu nähern. Das wäre so, also würde man behaupten, ein Terrorist sei Terrorist an sich, a priori, also von Natur aus, eben des Terrorismus oder des Mordens wegen und die Tatsache, dass es dabei gegen bestimmte Personen aus einem bestimmten Grund gerichtet ist, spielt dabei keine Rolle. Dann also hätte es jeden treffen können? Überall? Ist es zudem Willkür, welche Religion gekapert wird? Müssen wir in nächster Zeit ein Attentat von Menschen erwarten, die einfach nur andere umbringen wollen und sich dafür dann ein Etikett aussuchen, zum Beispiel Siddhartha hat es so gewollt?
Nein. Diese drei jungen Menschen und ihre Zuarbeiter wären vielleicht Kleinkriminelle geworden, vielleicht hätte der Rapper unter ihnen, wenn er denn erfolgreich gewesen wäre, es auch bis zu einer Art französischem Integrationsbambi geschafft, aber ohne eine dahinterstehende Ideologie hätten sie nicht gerade diese Menschen in dieser Form erschossen. Und das ist den Ideologen auch wichtig. Denn sie wollen eine bestimmte Idee transportieren. Sie wollen, dass die Menschen von dieser Idee erfahren und erkennen, wie mächtig sie ist. Eine Ideologie ist das, was Menschen aus einer Idee machen, selbstverständlich. Das bedeutet aber auch, dass sich die Idee von der Ideologie nicht trennen lässt. Sie ist ein Teil dessen, so wie die Tomate in der Tomatensuppe. Und es bleibt die Frage, ob es nicht nötig ist, bereits an der Idee etwas zu ändern.

Wenn ich einen Evangelikalen nach einem Jesus-Camp-Wochenende, in dem die Jesus-Krieger zum entschlossenen Kampf gegen die Sünde und den Unglauben aufgerufen werden, frage, was diese Ideen mit dem Christsein zu tun haben, würde er mir sicher antworten: alles! Und wenn ich ihn frage, ob er bereit wäre, für Jesus zu kämpfen und zu sterben, selbst wenn es deswegen zu einem offenen Kampf auf den Straßen kommen würde, dann würde er diese Frage sehr wahrscheinlich mit ja beantworten. Und das würde er nicht tun, weil er eine "terroristische Natur" hat oder aus einem Milieu kommt, das zu terroristischen Akten neigt. Wenn er eine kriminelle Natur hat oder gar eine pathologische Neigung zu töten, dann kapert er sich keine Religion, um seine Verbrechen damit zu tarnen. Er baut sich wohl eher seine eigene Ideologie zusammen, zum Beispiel die, derjenige zu sein, der nicht gesehen wird oder der sein eigenes Leid nur dadurch akzeptieren kann, in dem er es anderen in hundertfacher Härte zurückgibt. Natürlich sind dann auch solche Leute besonders geeignet, in einem Jesus-Camp ganz oben an die Spitze zu kommen, weil sie dort eine Chance haben, gesehen zu werden bzw. die Prügelstrafe weiter zu vererben. Aber in einem Jesus-Camp sind ja nicht nur solche Leute. Sondern vor allem die, die von einer Idee so überzeugt sind, dass sie dafür bereit sind zu töten. Das ist die Voraussetzung und genau dazu ist eine Ideologie in der Lage. Die Idee im Kopf ist es, der unbedingte Glaube an ihre Richtigkeit, Wahrheit und Segen für die Menschheit, wenn sie sich denn durchgesetzt hat, und die Vorstellung für diese Idee in der neuen Gesellschaftsordnung als Held gefeiert zu werden, was einen Menschen dazu bringt, sich über jegliche Menschenrechtskonventionen hinweg zu setzen.Vor allem, wenn sie eben auch aus der Ideologie heraus als falsch erachtet werden. Das hat man bei Anders Breivik gesehen und das hat man am 07.01. diesen Jahres in Paris gesehen. Je größer der Rückhalt durch eine Gemeinde Gleichdenkender ist, umso größer ist die Wahrscheinlichkeit, der Idee eben auch Taten folgen zu lassen. Für eine Ideologie zu töten ist etwas anderes als aus Neid , Eifersucht oder Habgier. Für das Letztere ist der Einzelne in Haftung zu nehmen, für das Erstere eine ganze Gemeinschaft. Und hat diese Gemeinschaft einen Staat, ist sie sogar im Recht.

Als sich in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts in Abgrenzung zur Kirche und der Aufklärung ein Wiederauflammen gnostischer Ideen entwickelte, die zu verschiedenen Denkrichtungen wie der Theosophie, der Ariosophie und der Anthroposophie führten, konnte noch niemand ahnen, dass ein halbes Jahrhundert später eine Reihe Menschen von diesen Ideen so begeistert sind und sie für so wahr halten, dass sie eine 'Götterdämmerung' apokalyptischen Ausmaßes inszenieren, in dessen Folge ganze Völker und Glaubensrichtungen ausgelöscht wurden. Die Idee der Gnosis ist simpel: Es gibt einen Gott der Erleuchtung, des Geistes und des Lichtes und es gibt einen selbsternannten Gott der Materie und der Dunkelheit. Im Gegensatz zum Kanon der katholischen Lehre, der diese gnostischen Apokryphen bekannt waren, war  bei den Gnostikern der Gott des Lichtes der Lichtbringer (Luzifer) und der Gott der Materie der Schöpfergott Jahwe. Die Gnostiker wurden dafür über Jahrhunderte von der Kirche verfolgt. Jesus war bei den Gnostikern derjenige, der die Botschaft mitbrachte, dass alle das Licht der Erkenntnis in sich tragen, alle Kinder des Lichts und des reinen Geistes seien und dass der Mensch aber durch die Schöpfung der Materie in einem körperlichen Gefängnis festgehalten werde, aus dem er sich befreien müsse. Diejenigen, die von den Agenten des Schöpfergottes vereinahmt sind, können nur gerettet werden, wenn auch sie diesen Funken der Erkenntnis in ihrem Blut tragen. Umgekehrt durfte der Gereinigte, also dessen "Blutleuchte" kein dunkles Blut in sich trägt, um es mit dem Kosmiker Alfred Schuler auszudrücken, der diese Ideen zeitgleich mit den Theosophen und Anthroposophen entwickelte, sein Blut nicht mit denen vermischen, die durch den Schöpfergott verseucht wurden. Von diesen Ideen waren damals viele okkulte Gruppieren begeistert und überzeugt, genauso wie von jener, dass die engelsgleichen Lichtkrieger von der versunkenen Insel Atlantis abstammen und ihr Untergang daher rührt, dass sie sich mit den 'Dunkelmenschen' (Ausdruck des Ariosophen Lanz von Liebenfels) verbunden haben. In der Abgrenzung zur katholischen Kirche vor allem bei den Kosmikern um Schuler und George, aber auch bei den Theosophen, deren Begründerin Helena Petrova Blavatzky daraus die Wurzelrassentheorie entwickelte, den Ariosophen, die eine neue Herrenrasse züchten wollten und den Anthroposophen Steiners, die daraus eine esoterische Reformbewegung auf den Weg brachten, mischten sich auch eine Menge 'heidnischer' Ideen hinzu, so liebten die Kosmiker das Bacchusfest, und die okkulten Esoteriker ihre Germanengötter.
Aus diesen Ideen machten die geistigen Führer des Nationalsozialismus eine Ideologie. Und ihr Ziel war es, das erleuchtete Blut vom verseuchten in einer Endlösung zu reinigen, eine Reform des Menschen in die Wege zu leiten, ihn zu seinen Ursprüngen zurückzuführen, ins Paradies, ins Pleroma oder wie man diese dystopische Utopie noch nennen soll, ihn also wieder zum gottgleichen Engel zu machen und das am Besten mit wallendem blonden Haar an den Toren Walhallas. 
All diese Bewegungen gibt es übrigens noch heute - bis auf die Ariosophen wahrscheinlich.  Die Gnosis hatte ihren letzten Höhepunkt im New Age, als das Wassermannzeitalter ausgerufen wurde. Aber natürlich hatte das da schon nichts mehr mit Antisemitismus zu tun. Heutzutage nennt sich das 'Kampf gegen die zionistische Weltherrschaft' und endet im verschwörungstheoretischem Reichsbürgertum oder einem herbeigesehnten Neuwschabenland. Oder einfach nur im Reformhaus oder der Waldorfschule, wo man gemeinsam mit Kobolden seinen Namen tanzt.

Ohne diesen ideologischen Unterbau wäre eines der größten Verbrechen des vergangenen Jahrhunderts jedenfalls nicht möglich gewesen. Und dieses Verbrechen lässt sich auch von den Ideen, die dazu geführt haben nicht trennen. Ich gehe davon aus, dass uns so manche, vor allem diese Diktatur erspart geblieben wäre, wenn erstens, nicht solche Ideen zur damaligen Zeit kursiert wären und zweitens der Diktator in spe in seinem Wunschberuf Anerkennung gefunden hätte statt sich als Opfer seiner Zeit und Umstände zu sehen. Ansonsten hätte er vielleicht noch Karriere in der Münchner Unterwelt gemacht.


Sicherlich ist es nicht nur die Ideologie, die einen Menschen dazu führt, für sie zu töten, aber sie ist ein ungemein starker Motor, ein Verstärker, sie ist die große Rechtfertigung, das Recht, weil sie für den Ideologen die Wahrheit darstellt. Während der Kriminelle sich in der Regel darüber im Klaren ist, dass er eine Strafttat begeht, so handelt der Ideologe aus Überzeugung. Er streitet und kämpft für die Idee seiner Gruppe, weil sich die Gruppe im Recht sieht. Das war bei Breivik nicht anders. Er war überzeugt davon, das Abendland vor der drohenden Islamisierung zu beschützen, untermauert von ideologisierten Kreuzzugsphantasien. Und sicherlich auch einem gewissen Grad an pathologischer Enthemmung, um überhaupt in der Lage zu sein, Menschen töten zu können. Aber genau das ist  der springende Punkt. Während die Unzufriedenheit über die eigene Situation einen noch lange nicht zum Mörder macht, eine Ideologie und auch eine Idee sind dazu in der Lage, diejenigen, die am Scheidepunkt zum Intergrationsbambi stehen, zu solchen Taten fähig werden zu lassen. Wo die Verzweiflung noch die Hemmschwelle kennt und das Gewissen, löst die Ideologie diese auf. Und an dieser Stelle treten die geistigen Führer, die Hetzer auf den Plan. Denn ist der Mensch erst überzeugt und also enthemmt, ist er die effektivste Waffe, die man sich vorstellen kann. Ohne eine überzeugende Idee wird der Mensch nicht zum Terroristen, entführt er keine Landshut und löscht nicht missionarisch indigene Völker aus oder lässt brillante Geister im Feuer eines Scheiterhaufens oder im Kugelhagel einer AK47 verglühen.

Es mag so manchem Religions- und Ideologievertreter nicht schmecken, aber nochmal: weder die Verbrechen des Dritten Reiches, das durch und durch religiös war, noch die des Kommunismus, jener politischen Religion mit Führerfigur und Inquisition, noch die jüngsten Verbrechen der 9/11-Attentäter oder die Katastrophe von Utoya und jetzt die Attentate auf Charlie Hebdo wären ohne zutiefst religiöse und ideologische Überzeugungen und der Idee, diese mit dem Blut zu verteidigen nicht möglich gewesen. Es handelte sich nicht um verirrte Einzeltäter sondern um Menschen, die eine Idee verteidigen, rächen und / oder obsiegen lassen wollten. Selbst diejenigen, die heute an der Seite der Wahabiten antisemitische Parolen ausrufen, tun das, weil sie von ihren Ideen überzeugt sind, weil sie fest daran glauben, dass ihre Sicht von der Welt zu einem besseren Zusammenleben führt, wenn es doch nur alle endlich begreifen würden. Das ist die Gefahr. Die Idee an sich ist ja nicht zu verurteilen. Es gibt Menschen mit großartigen Ideen, die sich für das Leben der anderen selbst speziesübergreifend einsetzen, mit Ideen, die von Freiheit und Gleichheit für jeden sprechen und das vielleicht sogar irgendwann für alle mitfühlenden Lebewesen. Aber es gibt Ideen, die ausgrenzen und Strafen, und wenn sie das müssen, weil sie sonst keinen Bestand mehr haben, dann werden sie zu jenen Ideologien, die großen Schaden anrichten.

Solange man also nicht bereit ist, sich von bestimmten Ideen zu trennen, von Ideen, die mit unserer heutigen Gesellschaftsordnung nichts mehr zu tun haben, zu akzeptieren, dass diese Ideen von Menschen erdacht wurden, was glaube ich mittlerweile, mal Hand auf's Herz, jeder weiß, solange können solche Ideen zu Ideologien werden. Und wenn es dann wieder knallt, soll keiner behaupten, das hatte mit der Idee nichts zu tun.

Ach und noch was. Bevor jetzt wieder alle auf die Straße rennen und für ihre besondere Meinung besonders viel Freiheit fordern, wie wäre es, wenn sie sich zusammen tun und für jemanden einsetzen, der gerade wegen seiner Meinung zu 1000 Peitschenhieben verurteilt wurde, was er wahrscheinlich nicht überleben wird.


oder erlaubt die Meinungsfreiheit keine Kritik an Saudi Arabien?

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Mittwoch, 19. Juni 2013

Erdowahn

Der Testbogen der Psychologieprüfung für 2013 wurde um eine Frage ergänzt:


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Samstag, 15. Juni 2013

Offener Brief an Hermann Nitsch zum OMT 2013 in Leipzig

Sehr geehrter Herr Professor  Nitsch,

in der Partitur zu Ihrem 2 Tage Spiel von 2004 schreiben Sie, die Katastrophe des Dramas sei, dass "unfaire kunstfeindliche skandalisierungen" Sie "davon abstand nehmen liessen, dass tiere in prinzendorf geschlachtet werden". (Quelle: Ihre Partitur zum 2-Tage Spiel von 2004, auf www.nitsch.org --> deutsch --> texte)

Für den 21.06. - 23. 06. soll Ihr Orgien-Mysterien-Theater erneut stattfinden, diesmal im Leipziger Centraltheater als Abschluss der Leipziger Festspiele. Und auch diesmal weht Ihnen wieder ein gehöriger Wind der Entrüstung entgegen. Zu Recht!

Wissen Sie, Ihre Kritiker sind weder unfair noch kunstfeindlich. Sie sind nur der Meinung, dass ein Orgien-Mysterien-Theater, so wie Sie es veranstalten wollen, nicht mehr zeitgemäß ist. Es ist bekannt, auf welche Weise die Tiere in die Supermärkte und auf den Teller kommen. Genau dagegen kämpft ja ein Großteil Ihrer Kritiker an. Und sie müssen auch nicht mehr durch kosmische Rituale der Swastika-Freunde Schuler und George - aus der Schwabinger Bohème um 1900 - zur Katharsis geführt werden. Diese hatten ihren Höhepunkt bereits in der Götterdämmerung des gläubigen Katholiken Hitler und wurden in Visconti-Seminaren bis zum Erbrechen durchgekaut. Auch eine neue Aufklärung über die Schöpfungsgeschichte benötigen wir nicht. Darwin hat bereits ausreichend belegt, dass es sich bei der brahmanischen, um nur eine zu nennen, um einen Mythos handelt. Das wissen wir nun seit 150 Jahren. Und die Doppelmoral der katholischen Kirche, falls Sie diese mit ihrem mysteriösen Spiel angreifen wollen, ist uns spätestens seit den Thesen des überzeugten Antisemiten Luther bekannt und sie gipfelten, wie jeder weiß, in den Missbrauchsskandalen der vergangenen Jahre. Das genügte schon für zahlreiche Kirchenaustritte. Selbst die Suche nach dem heiligen Gral ist seit Indiana Jones nur noch einen Blockbuster wert.

Sie schreiben in einem Interview, Sie wünschen sich, dass man von Ihrer Kunst so ergriffen ist, wie von der van Goghs oder Beethovens. Nun, diese beiden Künstler haben es geschafft, die Leute mit ihrer Kunst zu ergreifen, ohne dabei vorab ein Tier schlachten zu müssen. Sie sehen also, es geht auch so. Der Künstler sollte bei seiner Kunst bleiben und Unschuldige außen vor lassen.

Stanley Kubrick hat uns in seiner Space Odysee die Menschheitsgeschichte und seine Tragödie in einem dreistündigen, orchestralen Drama auf die Leinwand gebracht, inklusive Bowmans (=der Bogenschütze Odysseus) Tod und seiner Wiedergeburt zu Nietzsches Übermenschen. Und das, ohne auch nur einem Lebewesen ein Haar krümmen zu müssen. Mit anderen Worten, Ihr Theater zeigt nichts Neues und schockiert auch nicht mehr.
Man muss nicht in den Krieg ziehen, um festzustellen, dass Krieg grässlich ist. Man muss niemanden ermorden, um festzustellen, dass Mord unethisch ist. Und man muss niemanden schlachten, um festzustellen, dass der Mensch auch ohne Fleisch leben kann.

Wenn Sie mit der Zeit gehen wollen und tatsächlich eine erneute Katharsis in der Gesellschaft erreichen wollen, einen Ruck, der sich wie ein Paukenschlag durch die Gedärme der Menschen schmettert, dann sollten Sie sich am Schopfe packen und es doch noch einmal versuchen. Denn dann habe ich einen Tipp für Sie.

Gerade heute, am 15.06.2013, findet ein weltweiter Marsch zur Schließung aller Schlachthäuser statt. In Deutschland hat sich bislang noch niemand bereit erklärt, dabei mitzumachen. Oh Wunder! Herr Nitsch, Sie beschreiben sich als Tierfreund und lassen sich als solchen gern zitieren. Ihnen ist es wichtig, dass die Barbarei in den Schlachthäusern aufhört, nur mit welchen Mitteln?
Was, sehr geehrter Herr Nitsch, wäre schockierender und katharsischer für Ihr Publikum, als bei Ihrer Prozession in die Arena ein Schild hochzureißen mit eben dieser Aufforderung: close down all slaughterhouses! Marschieren Sie damit durch die Hallen, hinaus auf die Straße bis hin zum nächstgelegenen Schlachthof. Demonstrieren Sie dort ihren wirklichen Willen, dass das Schlachten ein Ende haben soll, dass die Gesellschaft aufwacht und begreift, wenn wir uns wirklich ändern wollen, dann muss die Sklaverei der Tiere ein Ende haben. Zitieren Sie lauthals Hugo, fordern Sie brachial die Betreiber des Schlachthauses auf, alle Tiere zu befreien! Welch ein Final für die Leipziger Festspiele! Können Sie sich das vorstellen? Und können Sie sich vor allem den Schock Ihres Publikums vorstellen? Die Angst in ihren Gesichtern, dass man ihnen die Wurscht vom Brot klauen will und die Grillmeisterschaft?

Sie beklagen sich über Widerstand durch die angeblich ungebildeten Tierschützer. Sie können sich nicht vorstellen, welcher Widerstand und welcher Hass Ihnen entgegen schlägt, wenn Sie, statt für Ihre Show Tiere schlachten zu lassen, eben diese retten würden.
Glauben Sie mir!
Ein Platz an der Seite Georges im Olymp der Kosmiker wäre Ihnen gewiss!


Zur Aktion 'Close down all Slaugherhouses'

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Dienstag, 25. September 2012

GIMF plant eigene Religionsfilme zu veröffentlichen

Nach dem Schulungsfilm christlicher Fundamentalisten über das Leben des M, der in weiten Teilen der Welt teils heftige wissenschaftliche Diskussionen auslöste, plant nun auch endlich die Gegenseite, die Globale Islamische Medienfront, lehrreiche Religionsfilme ins Netz stellen.
Hier ein Auszug aus dem Werbematerial der PR-Abteilung von GIMF:
"In der Propagandaschrift würden Muslime dazu aufgerufen, die Feinde des Islam zu enthaupten und die Ermordung zu filmen und zu veröffentlichen, "so dass ganz Deutschland, ja sogar ganz Europa weiß, dass ihre verbrecherischen Spielchen (...) durchkreuzt werden". Die Drohschrift sei in der Internet-Plattform der militanten Globalen Islamischen Medienfront (GIMF) veröffentlicht worden, auf der in der Vergangenheit auch Propaganda-Material des Terrornetzes Al Kaida verbreitet wurde."

Quelle: stern.de "Rache für Mohammed-Video"


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Mittwoch, 22. August 2012

Religionsfreiheit ist Freiheit von Religion

Die Giordano-Bruno-Stiftung startet im Zusammenhang mit der Zwangsbeschneidung eine Kampagne für Kinderrechte. Eine gute Sache, meine ich. Vor allem, wenn man sich vorstellt, dass für manche Weltanschauungen der Penis eines kleinen Jungen das Wichtigste der Welt ist und deren eingebildetes Überich nur dann glücklich ist, wenn man ihm ein Stück von diesem Knabenpenis als Opfer darbringt. Bedenkenswerte Selbstdefinition. Davor sollten Kinder beschützt werden. Mit der Prügelstrafe hat es ja auch geklappt.

„Mein Körper gehört mir!“

Pro Kinderrechte

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Donnerstag, 2. August 2012

Der Gotteswahn des Tages #16

... und diesmal in seiner reinsten Form:

Letzte Rettung: Exorzismus >>
Eine Theologin hat die Austreibung des Teufels erforscht – und warnt vor seinem Einfluss in der Welt.


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Es lebe die Religionsfreiheit #4

oder: Der Gotteswahn des Tages #15

Glaubenskrieg beim Hähnchenbrater >>
ja, so ist es. In Amerika wird der Kampf um die wahre Religiotie bis in die letzten Winkel einer Hähnchenbraterei in den Südstaaten ausgefochten. Das geht aber nur, wenn eine starke Broilerlobby voransteht. Die wird zur Abwechslung sogar von den Massen mitgetragen.

Hier ein paar Äußerungen der Religionsunfreien aus dem Artikel:

"Zugleich demonstrierten Befürworter der gleichgeschlechtlichen Ehe vor vielen der rund 1600 Restaurants, die vor allem im Süden der USA zu finden sind und traditionell am Sonntag geschlossen sind. Seine Firma sei schon immer nach "der biblischen Definition der Familie" ausgerichtet gewesen, hatte Cathy einer christlichen Nachrichtenagentur gesagt. Später hatte er in einem Interview ergänzt: "Ich glaube, dass wir Gott dazu einladen, über uns zu richten, wenn wir unsere Faust ihm gegenüber schütteln und sagen 'Wir wissen besser als du, was eine Ehe ausmacht'."

"Ich glaube nicht an die Homo-Ehe", zitiert die Nachrichtenagentur Reuters eine Kundin namens Patricia Shelton in North Carolina. "Es ist einfach falsch. Und wir müssen uns dagegen wehren." Ähnlich äußerte sich Bethany Hill in Pennsylvania. "Wir sind bibeltreue Christen", sagte sie. "Wir sind dankbar, dass sich mal jemand zur Wehr setzt."

Dass dabei täglich Millionen unschuldiger Hühner deren "Schöpfergott" geopfert werden, daran denkt natürlich niemand.

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Sonntag, 15. Juli 2012

Es lebe die Religionsfreiheit! #3

oder: der Gotteswahn des Tages #14

Hier mal ein Kommentar auf kreuz.net zum Thema Tradition und Religionsfreiheit oder dem Traum nach der guten alten Zeit: Die letzte Hoffnung des Westens ist der Islam


Ach wenn sie doch alle nur könnten wie sie wollten und nicht so eingeengt wären in der Ausübung ihrer Religion, dann wären wir der wahren Christenheit doch wieder ein Stück näher! 
Hier ein Aussschnitt aus dem Artikel, wie die Nächstenliebe dann aussehen könnte:


"Es braucht eine unerbittliche Entschlossenheit

Angesichts dieser Taktik darf sich der Katholik nicht für blöd verkaufen lassen.
Der Kampf gegen die verbalen und moralischen Verdrehungen der Homo-Propaganda muß mit unerbittlicher Entschlossenheit geführt werden.
Dieser Krieg dient dem Wohl aller Mitglieder der Gesellschaft, die sich unter der Führung der Kirche dem Leben, der Zukunft und der Erneuerung zuwenden."



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Samstag, 14. Juli 2012

Es lebe die Religionsfreiheit! #2

oder: der Gotteswahn des Tages #13


Zu drastischen Maßnahmen haben in Papua-Neuguinea mutmaßliche Mitglieder eines Kannibalismus-Kults gegriffen. Um sich gegen skrupellose Wunderheiler zu wehren, wurden diese kurzerhand verspeist. -->


Ein örtlicher Experte sagte der Zeitung, die Praxis des Kults verstoße gegen die Tradition ausgebildeter Hexer-Jäger: "Diese töten nicht ihre Opfer mitten am Tag, verstümmeln sie und essen ihr Fleisch, ihre Leber und Herzen oder machen Suppen aus den Penissen", sagte er. "Das ist Wahnsinn. Dieser Kannibalismus geht über unsere Kultur hinaus."

Das heißt, man sollte diese Delikatessen erst am Abend reichen?

Rohes Hirn? das hat was von Sushi. Jedenfalls sollte man diese Menschen keineswegs strafrechtlich belangen. Also bei uns fiele das doch sicher unter die Religionsfreiheit...

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Freitag, 13. Juli 2012

Es lebe die Religionsfreiheit!

Und es begab sich zu einer Zeit, da die putzige Putzfee und der Drache Flupp beisamen saßen und  sich über die Dinge unterhielten, die die Welt betrafen. Und sie waren sich einig und mochten sich sehr. Doch dann erzählte die putzige Putzfee dem Drachen Flupp von dem Ort, an dem sie sich befanden, einem Planeten namens SOYA und dass er gebettet sei inmitten einer Straße aus Milch. Und der Drache wunderte sich. Die Straße konnte doch nicht wirklich aus Milch sein. Die putzige Putzfee aber bestand darauf, schließlich war sie es, die die Welt und die zahlreichen Götter der Menschen erfunden hatte und so ermahnte sie den Drachen, ihr zu glauben. Wenn sie sage, die Milchstraße bestehe aus Milch, dann bestehe sie aus Milch und wenn es SOYA-Milch ist, so wie der See, aus dem der Drache entstiegen war und damit die lange Weile der putzigen Putzfee beendete.
Und um zu beweisen, dass sie Recht hatte, zog sie dem Drachen am Ohr. Und sie zog so lange und so feste, bis er die weisen und einsichtigen Worte sprach: "Ja, ja, gnaah... schon gut! Ich glaube dir ja!"

Diese Worte sind heute Teil des Glaubensbekenntnisses.

Und es heißt, man solle jedem Ungläubigen so lange und so fest am Ohr ziehen, bis er die Worte des Drachen spricht. Und das an jedem dritten Tage des Vortages. Nur dann kann man sich einig sein und mag sich.

Und noch etwas gab die putzige Putzfee dem Drachen Flupp mit auf den Weg.
"Von diesem Tage an verkünde ich, dass der Schokoriegel nicht mehr Milky Way sondern Milky Weh genannt werden soll!"

Und nun ihr Ungläubigen, lasst euch die Ohren lang ziehen, auf dass ihr die weisen Worte des Drachen sprecht und nur noch Milky Weh sagt.

Es lebe die Religionsfreiheit!

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Mittwoch, 30. Mai 2012

Gotteswahn des Tages #12

"Michael Joe Zerrudo hat einen anstrengenden Job: Er ist Exorzist. Auf den Philippinen versucht der Priester, dem Satan die Seelen zu rauben. Doch immer mehr Menschen sind vom Teufel besessen, klagt er. "

mehr davon >>

Sja, was soll man da noch sagen. Bleibt für mich nur die Frage, ob man Exorzismus nur in Rom studieren kann oder zum Beispiel auch an der TU in Berlin? 

Ich schreib da mal hin...

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Mittwoch, 16. Mai 2012

Gotteswahn des Tages #11

"Sie steuern das größte christliche TV-Imperium Amerikas: Die Fernsehprediger Paul und Janice Crouch sind berühmt für ihre tränenreichen Spendenappelle. Doch jetzt stecken sie in einem unheiligen Skandal - sie sollen Unsummen für private Luxus-Eskapaden veruntreut haben."

Das sind wenigstens noch echte Christen! 

Hier gibt's das gesamte Evangelium der Nächstenliebe >>


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Dienstag, 15. Mai 2012

Gotteswahn des Tages #10

"Auf eine Anfrage seiner Anhänger, wie die Gläubigen auf Beleidigungen schiitischer Heiliger durch Najafi reagieren sollten, erwiderte er: „Jegliche Beleidigung heiliger ... Imame durch einen Muslim wird als Blasphemie und Apostasie ausgelegt.“ Nach islamischen Gesetzen, die im Iran als Basis der meisten juristischen Urteile gelten, steht auf Blasphemie die Todesstrafe."

Also, weil irgendwelche Märchenerzähler, die an hirnlose Energiewolken glauben andere Märcheerzähler, die den selben Käse glauben zu etwas Besonderem erklären muss jemand, der das zurecht bescheuert findet getötet werden?

scheint so >>

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Freitag, 4. Mai 2012

Gotteswahn des Tages #9

Ist zwar schon eine Weile her, aber noch nicht verjährt. Des lieben Gottes Wille ist schließlich zeitlos!

Kastriert im Namen des Herrn

Die katholische Kirche in den Niederlanden ließ 1956 einen Jungen kastrieren - angeblich, um ihn von seiner Homosexualität zu heilen. Diesen und mögliche weitere Fälle erwähnt ein Bericht über Missbrauch in der Kirche nicht, obwohl die Verfasser davon wussten. Der Skandal wird politisch.

 mehr davon>>

 

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Sonntag, 15. April 2012

Gotteswahn des Tages #8

"Die Polizei gab "Folha" zufolge an, dass die drei Verdächtigen sich von einer Stimme leiten ließen. Diese habe ihnen die Namen von Frauen eingegeben, die "nicht gut sind". Das Haus der Gruppe wurde inzwischen geplündert und verbrannt, viele Papiere und Beweise fielen dabei den Flammen zum Opfer."
>> Kannibalsimus-Sekte in Brasilien

Ja komisch, es gibt doch noch mehr Personen, die sich von den Stimmen hirnloser Energiewolken geleitet fühlen: G.W. Bush, der Papst, Ahmadinedschad. Was also haben die Anhänger der Cartel-Sekte falsch gemacht?

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LIES! vs TRUTH!

Salafisten starten großangelegte englischsprachige Kampagne:



und im Vergleich dazu habe ich noch das hier gefunden:


Freitag, 6. April 2012

Und was ist mit dem Drachenfest?

Wie bitte?
Tanzverbot an Karfreitag bleibt bestehen!

Und was ist dann mit dem Drachenfest?
Schließlich ist der Drache an diesem Tag, nach langen Jahren der Einsamkeit der Putzfee, aus dem Milchsee gestiegen. Seither sitzt er zur linken der Putzfee und erzählt ihr lustige Geschichten, oder sie ihm. Das ist ein bedeutendes und wichtiges Ereignis für alle Anhänger der Putzfee, die den Christengott und all die anderen auf der hiesigen Welt erfunden hat, denn sie wissen, dass mit dem Aufsteigen des Drachens aus dem Milchsee, die Zeit der Langeweile der Putzfee beendet wurde. Das Drachenfest, zum Andenken an dieses wunderbare Ereignis, so erwarten es die beiden da draußen in der Milchstraße, soll gehörig gefeiert werden, mit Umzügen, Konfetti und bunten und wilden Tanzeinlagen. Schließlich ist diesen Fest schon 17 Milliarden Jahre alt! Wenn schon das religiöse Fest über der Versammlungsfreiheit steht, so sollte doch bitte das höchste aller Feste über dem einzelner von der Putzfee und dem Drachen ersonnener Sekten stehen! Ich bitte um entsprechende Anhörung vor dem Bundesverfassungsgericht!

Samstag, 24. März 2012

Gotteswahn des Tages #7

und weil sie so schön sind, gibt es heute gleich zwei davon in meiner Sammlung

1. Tennesee  will Kreationismusverbot lockern
    Lehrer sollen ihren Schülern "Stärken und Schwächen" der Evolutionslehre vermitteln dürfen, sagt ein neues   Gesetz im US-Bundesstaat Tennessee. Naturwissenschaftler sind entsetzt. Sie fürchten, dass bibeltreue Christen ihre kreationistische Weltsicht in Schulen verbreiten könnten.
zum Artikel >>


Und was ist mit der wahren Geschichte über die Entstehung der Welt? Das war doch die liebe Putzfee!


Ach nein, hier ist der wissenschaftliche Beweis dafür, dass der Prophet Mohammad recht hatte...


2. Der Urintest:



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Freitag, 23. März 2012

Tir na n'Óg von Sean O'Connell


Tausend Jahre nachdem das große Tier geweckt wurde und der Mensch sich darin versucht hat, seine eigene Sterblichkeit zu überwinden und damit die bekannte Welt in eine Katastrophe geführt hat, werden ein Meister der Archivarbruderschaft und sein Schüler losgeschickt, um herauszufinden, was damals tatsächlich geschehen war.

Bei einer Bruderschaft muss man davon ausgehen, dass es sich um Mönche handelt und schon bald erfährt man auch, dass es einen Streit zwischen den Gelehrten gibt, ob das Auslösen der Katastrophe menschlicher oder göttlicher Natur war. Da die Archivare, allen voran Professor Aulus,  Verfechter der göttlichen Version sind, muss es sich bei ihnen also um eine Glaubensbruderschaft handeln. Dass gerade sie die Wahrheit herausfinden wollen und nach Beweisen für ihre Threorie suchen, halte ich für sehr mutig, denn schließlich basiert Glauben ja auf Unwissen. Die Kirchen würden sich das nicht trauen. Zu sehr stünde dadurch ihr gesamtes System auf dem Spiel.
Selbstverständlich sieht sich Meister Aki, eine Mischung aus Indiana Jones Vater und William von Baskerville aus der Name der Rose auf der Seite der Vernunft. Ein Skeptiker in den eigenen Reihen und somit wichtig für den aufgeklärten Leser. Wer will schon von sich behaupten, hinter dem Mond zu leben. Auch wenn man die Mystik einer Bruderschaft toll findet. Vor allem im Vergleich zu nüchternen Wissenschaftler, bei dem keine Wunder geschehen dürfen.
Professor Aulus erklärt den Schülern dann auch nochmal die Bedeutung des Schisma-Konflikts, so als hätten sie noch nichts davon gehört, aber dafür weiß jetzt jeder Bescheid.

Ihr Weg führt den Meister Aki und seinen Schüler Cornelis zunächst zur Station Sonnenallee, wo sich ihnen unfreiwillig das Mädchen Raggah anschließt. Gesteuert von einem Steppogo (cool), eine Art Voodoo-Puppe mit Innenleben, die ihren Wirt zu einem willenlosen Vollstrecker macht, hängt sie sich zunächst an die beiden ran um sie auszuspionieren. Cornelis aber, der noch nicht genau weiß, wie er zu der Kämpferin stehen soll, befreit sie aus den Fängen ihres Auftraggebers, einem Annunaki-Ersten und zu dritt finden sie Zuflucht im Haus eines Freundes des Ordens, Quentin Yaacov, mit dem Meister Aki verabredet war. Dort erfährt man, dass Cornelis schon lange heimlich auf seine Rolle als Auserwählter vorbereitet wurde. Seine Aufgabe ist es, das Tor nach Tir  na n'Óg zu öffnen, hinter der sich eine der Älteren verschanzt, die die Apokalypse vor tausend Jahren mitverantwortet hat. Aki weiss, dass die Ältere, Bernadette, nach der Katastrophe einen genetischen Schild erschaffen hat, dessen Code erst jetzt, nach einer 500-jährigen Testreihe in der Gestalt von Cornelis Fingerprint geknackt wurde. Vor zwei Jahren wurde Aki von einem höheren Ordensbruder beauftragt, dieses Geheimnis zu erforschen und aufzulösen. Seither bangte er darum, dass Cornelis zu seiner Aufgabe auch bereit ist.
Ihr Hauptziel im ersten Buch ist das Labyrnthos Dang Lang, eine aus Ruinen in die Höhe gebaute Megacity, in der sich die Reste der Zivilsation gesammelt haben und wo, wie in den Favelas, kriminelle Kleinstaaten um die Vorherrschaft der verschachtelten und verwinkelten Ebenen kämpfen. Auf dem Weg dorthin und in der Stadt selbst begegnen sie zwei Älteren, die ihnen beistehen und ihre Fragen beantworten. So dringt man zunehmend in die Verflechtungen um das Geheimniss von Tir na n'Óg und die Katastrophe ein. Es scheint, dass über allem ein seit tausend Jahren fortwährender Kampf zwischen den Älteren stattfindet, der kurz vor seinem Höhepunkt steht. Zudem droht der Umwelt aufgrund des Schildes eine Entropie, die es aufzuhalten gilt.
Je mehr Antworten man erhält, um so mehr fragt man sich, wer nun eigentlich was weiß und wer wen mit was beauftragt hat. Zum Glück, sonst könnte man das Buch auch zur Seite legen.

Und man fragt sich und erfährt, was für eine Welt seither entstanden ist. Es ist eine gänzlich neue, die vor den Augen des Lesers entfaltet wird. Sie erstreckt sich über einen Kontinent mit Ländereien und Herrschaftsgebieten im Norden und im Süden, der Insel Tir na n'Óg und einer faszinierenden parallelen Unterwelt, in der aufgrüstet wird wie in Mordor. Man fühlt sich an Schauplätze erinnert wie in Star Wars und Herr der Ringe. Es gibt Eiswüsten, Sumpflandschaften und Wüstenstädte. Es wird mit Schwertern gekämpft ebenso wie mit der Neuerfindung einer Schallwaffe. Man zieht beritten in die Schlacht und reist mit steampunk-dampfenden Raupenbussen im Mad Max-Tempo durch die Landschaft.
Ein wilder Mix. Alles ist vertraut, erscheint nebeneinander fast unmöglich und funktioniert in seinem neuen Gewand doch erzählerisch erstaunlich gut. Nicht nur die Archivare wolllen da wissen, was in den letzten tausend Jahren geschehen ist.
Fasziniert war ich auch von den Kreaturen, die Sean O'Connell geschaffen hat und die er sehr anschaulich, spannend und gruselig beschreibt. Allen voran der Metamorph, der zu einem bedrohlichen Gegner für Aki wird. Super originell auch die Spinnenköpfler oder die Mu. Deren Beschreibungen haben mich allesamt in ihren Bann gezogen. Chapeau! Eindeutig Güteklasse 1 für Kreativität.
Im Eifer dieser fantastischen Bilderflut sind dem Autor jedoch zunächst ein paar Ungereimtheiten unterlaufen, die aber durch einen geschickten dramaturgischen Schachzug nach etwss mehr als der Hälfte wett gemacht werrden, indem der Leser mehr erfahren darf als die Helden des Buchs. Von nun an bangt man mit den unbedarften Protagonisten und das macht es erst richtig spannend.
Die kleinen Ungereimheiten liegen meiner Ansicht nach in der Schwierigkeit, die der Mensch damit hat, sich eine Zeitspanne von tausend Jahren wirklich vorstellen zu können. Auf der einen Seite jongliert er mit Jahreszahlen, die das Entstehen und Vergehen ganzer Universen umfassen können, auf der anderen Seite ist er nicht mal in der Lage, sich seine eigene Lebenspanne vorzustellen. Und nur selten ist er bereit, ein Projekt zu beginnen, das seine eigene Lebensdauer übertrifft.
Um auf der einen Seite die Arten entstehen zu lassen, die es in Tir na n'Óg gibt, bräuchte es weit mehr als tausend Jahre Evolution. Der Ältere Albert Harris öffnet hingegen eine 40 Jahre alte Flasche Whiskey und Michael Altfeld aus Dang Lang betreibt sein Restaurant gerade mal seit 50 Jahren. Hier hat man das Gefühl man befindet sich im Jahr 2030 statt tausend Jahre später. Die gefühlte Vergangenheit umfasst eben nicht viel mehr als das eigene bisherige Leben. Solche Gedankenfehler sind nur allzu menschlich. Aber vielleicht sind es gar keine Fehler und alles löst sich in den Fortsetzungen auf. Das wäre natürlich der Oberknaller.

Die Älteren sind die Überlebenden der Katastrophe und vermutlich die Verursacher, weil sie am Nektar des ewigen Jungbrunnens nippen wollten. Und damit sind wir beim eigentlichen Thema der Geschichte: die Unsterblichkeit.
Ein brillanter Physiker hat die Formel dafür entdeckt, wie sich die körpereigenen Algorithmen, die die Welt zusammenhalten auf ewig selbst reparieren können.
Ein Naturwissenschaftler fragt man sich zu Recht. Das ist doch eher was für die Religionen. Aber nein. Auch der Naturwissenschaftler träumt von der Unsterblichkeit. Jedoch nennt er es nicht Jenseits sondern Transhumanismus.
Aber will man wirklich für alle Zeit beispielsweise mit seinem gescannten Bewusstsein auf einer Membran irgendwo am Rande eines auf die Singularität zusteuerndes Paralleluniversum kleben? Oder liegt es daran, dass der Mensch einfach nicht in der Lage ist sich vorzustellen, nicht mehr zu sein. Aber wie soll er auch? Schließlich ISTer ja in dem Moment, da er sich vorstellt NICHT ZU SEIN. So stellt er sich das Nichtsein im Sein vor und das fühlt sich eben sehr lebendig an. Rein kognitiv muss man demnach unsterblich sein. Aber höchstens fünfzig Jahre.
Stellen wir uns aber auch mal vor, es gäbe an sich keine Vergänglichkeit und keine Verletzbarkeit. Würden dann neben uns auch die ersten Menschen noch leben? Wären sie dann auf dem gleichen Stand wie wir? Und auf welchem Stand der Evolution wären wir dann eigentlich selbst? Ab welchem Alter beginnt die Unsterblichkeit? Mit zwei, zehn, zwanzig oder vierunddreißig? Und altert man danach nicht mehr oder nur noch seehr langsam?
Diese Gedanken sind genauso absurd und spannend wie Zeitreisen. Ich sage ja immer, wenn es in der Zukunft Zeitreisen gäbe, wüssten wir schon längst davon. Der Umkehrschluss ist demnach, dass Zeitreisen niemals möglich sein werden. Und genauso wenig das ewige Leben. Und das ist sehr gut so. Nur unsere kognitive Unfhähigkeit bringt uns dazu, eine Menge Zeit und Geld für solche Ideen zu verschwenden. Oder eben gute Bücher über dieses Thema zu schreiben. Also gut: Hunde! wir wollen ewig leben!


A propos Hunde...

Doch vorab noch eine Sache zum Stil, der mir insgesamt gut gefallen hat und bis auf sehr wenige, etwas flachere Stellen sehr professionell ist. Ein No-Go hat sich da eingeschlichen, das jedem Lektorat hätte auffallen müssen. Um eine zeitliche Abfolge darzustellen, sollte man möglichst auf das Wörtchen "dann" verzichten. Im Text tummeln sich auf jeder Doppelseite gefühlte drei davon. Da sollte es elegantere Lösungen geben.

Und jetzt a propos Hunde...
Eine Sache liegt mir noch am Herzen und das richtet sich generell an die Autorenzunft. 
Auch in Zeiten von Facebook, in der das geschriebene Wort weitaus inflationärer eingesetzt wird als in den Jahren nach Gutenberg, kann es beim Leser noch immer sehr gewichtig sein. Vor allem bei einem guten Autor und einem guten Buch wie in diesem Fall. Umso wichtiger ist es dann, die einzigartige Möglichkeit zu nutzen, im  Bewusstsein des Lesers ein Umdenken anzuregen. Lösungen anzubieten, an die er zuvor nicht gedacht hat. Und nimmt der Lesr den Autor ernst und hat er es erstmal schwarz auf weiß, dann wird das geschreibene Wort ganz von allein wirken. Wie zum Beispiel beim Umgang des Menschen mit den Tieren. In Tir na n'Óg werden Tiere so behandelt, wie man es gewohnt ist, wie Tiere eben. Das alleine klingt ja schon abwertend.
Als Meister Aki mit seinem Schüler und dem Mädchen Raggah das Labyrinthos Dang Lang betreten, werden sie von einer Gruppe Reiter aufgehalten, die diese Ebene des Labyrinthes beherrschen und Schutzgeld abpressen wollen. Als Lösung fällt Aki ein, blitzgeschwind zu einem Gewehr zu greifen und die Reittiere der Schutzgelderpresser eines nach dem anderen abzuknallen. Warum? Was soll das für eine Funktion haben? Warum knallt er nicht die Typen ab, wenn er ein Problem mit ihnen hat. Was können die Tiere dafür, dass auf ihnen solche Arschlöscher sitzen. Wäre es nicht überraschend gut gewesen, wenn er die Ausbeuter umgesäbelt und die Tiere aus ihrer Gefangenschaft befreit hätte? Hier kann man doch ein eindeutiges Zeichen setzen und Wunder bewirken statt ins ewig gestrige Horn zu blasen.
In einer weiteren Szene begegnen unsere Helden herrenlosen Straßenhunden. Und wie in der Ukraine greift Raggah zu einem Stein und prügelt sie nieder. Warum? Gerade jetzt, wo vor der EM 2012 für ein schöneres Straßenbild die ukrainische Bevölkerung von offizieller Seite mit der irrigen Vorstellung heiß gemacht wird, die Straßenhunde seien gefährliche Bestien und sie damit dazu treibt, die hungernden, verängstigten Geschöpfe auf offener Straße niederzuknüppeln und noch halb lebendig in fahrenden Krematorien zu verbrennen, sollte man doch ein deutliches Signal aussenden und besser eine Szene beschreiben, wie wenigstens Cornelis, Raggah und Aki sich in ihrer Szene um die herrenlosen Tiere kümmern, sie zu einem Tierarzt bringen und sie versorgen lassen, wenn es in diesem Moloch schon sonst keiner tut. Das wäre doch mal was gewesen. Die Leser hätten gestaunt und die drei Gefährten wären ungleich sympathischer.

Trotz dieses für mich kleinen, bitteren Beigeschmacks freue ich mich auf die Fortsetzung und auf die Auflösung des Geheimnisses von Tir na n’Óg. 

Tir na n'Óg, Teil 1, Der Auserwählte
Autor: Sean O' Connell
Acabus-Verlag, 2011
232 Seiten, Paperback

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